Sonntag. Zeit für einen Familienausflug. Tante Sophie in Wendthagen besuchen. Nach dem Frühstück Kinder adrett anziehen, Kleidchen, Sonntagshemd, Kniestrümpfe, die nicht rutschen. Den Kirchenbesuch haben wir uns geschenkt. Heute könnte der Pastor sich im Internet Hilfe unter www.pfarrbrief.de suchen, um Anregungen für seine Predigt zu erhalten, aber ob wir deshalb zu Hause geblieben wären? Nö. Wir wollten zu Tante Sophie.
Alle rein ins Auto: Vater, Mutter, Opa (Tante Sophies kleiner Bruder) und drei bis vier Kinder. Gut, dass das keiner je gesehen hat. Lag wohl daran, dass der Vater sowieso lieber über die Landstraßen fuhr als über die Autobahn. Entsprechend langweilig war die Fahrt. Es gab nichts zu sehen, was wir nicht kannten, aber vermutlich weiß es nicht jeder: man fährt auch heute noch durch verträumte kleine Dörfer mit Fachwerk- und Backsteinhäusern, die rote Ziegeldächer haben. Damals gern mal mit Unterbrechungen durch Schafherden oder Kühe, die die Straße überquerten. Die Sonne schien, Rapsfelder und dunkle Wälder entlang der Straße und irgendwann kam Steinhude.
Ob das auf dem direkten Weg lag? Wer weiß. Jedenfalls Pause. Vadder (unsere Familie sprach Plattdeutsch in Wendthagen) wollte Aal kaufen. Dann endlich: Tante Sophie. Nur Plattdeutsch sprechend, in der Tracht der Landfrauen. Die Haare vorn zum Dutt gebunden, langer roter Rock, eine Bluse mit Schultertuch, dessen Zipfel vorn in den Rock gesteckt wurden. Große Wiedersehensfreude und niedlich zu beobachten, wie sie unseren Opa, ihren kleinen Bruder, neckte und zum Abendbrot das große, leckere, selbst gebackene Brot perfekt mit leichter Hand vor der Brust in Scheiben schnitt.
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